Es waren Kanoniker, die direkt am Rhein ein Haus erbauten. Dort wurde eine Wechselstation für Pferde, die damals die Lastkähne rheinaufwärts zogen, also „treideln“ mussten, sowie eine Stube, in der sich die Schiffer erfrischen konnten, eingerichtet.
Der erste nachweisbare Besitzer des Gasthofes „Im Kaiser“ war Cornelius Ruys aus Utrecht, der 1748 die Reeserin Aeltgen van der Velden heiratete. Sein Nachfolger wurde der Sohn Cornelius Ruys, der 1780 Gesina Coenders heiratete, die Tochter des Wirtes Derk Coenders („Zum Pelikan“) aus der Wasserstraße.
Um 1830 verkaufte die Familie Ruys den Gasthof nebst Wohnhaus an Johann van de Kamp aus Niedermörmter. Er und seine Frau Adelheid Welling vererbten den Besitz an ihre Tochter Henriette, die 1886 in zweiter Ehe den Kirchenmaler Lorenz Spreider aus Düsseldorf heiratete.
Nach den Kriegen der Jahre 1864, 1866 und 1870/71 fanden sich die Bürger im Deutschen Reich in neugeschaffenen Vereinen zusammen. Auch in Rees wurden mehrere Vereine aus der Taufe gehoben: Turnverein, Gesangsverein, Prozessionsverein, Gesellenverein und nicht zuletzt die Gesellschaft „Casino“, die das Gasthaus „Im Kaiser“ als Vereinslokal wählte. Der Name dieser Gesellschaft wurde auf das Vereinslokal übertragen. So trug es fortan den Namen „Casino“.
Aus der Ehe von Henriette und Lorenz Spreider ging die Tochter Maria Spreider hervor. Sie heiratete später einen Pensionsgast, den Lehrer Andreas Rosen aus Birten, der am Reeser Progymnasium unterrichtete.
Im Ersten Weltkrieg wurde im „Casino“ das erste Reeser Lichtspielhaus eingerichtet. Neben den Garnisonssoldaten und den Bürgern der Stadt besuchten auch viele Schulkinder aus der näheren Umgebung mit ihren Lehrern das Kino. Meist wurden in den Sondervorstellungen Kriegsfilme von der Front gezeigt.
Maria Rosen, die älteste Tochter der Gastronomen, heiratete 1939 den Kreissekretär Heinrich Driftmeier.
In der NS-Zeit wurden viele Vereine und Veranstaltungen verboten. Unter dem Deckmantel sowie unter Mithilfe der Katholischen Mütter- und Frauengemeinschaft wurden im „Casino“ dennoch weiterhin viele schöne Feierstunden abgehalten.
Am 14. Februar 1945 wurde Andreas Rosen in seiner Eigenschaft als Luftschutzwart bei einem Kontrollgang während eines nächtlichen Luftangriffes tödlich verwundet. Zuvor war schon der Sohn Theo im Krieg gefallen.
Am 16. Februar 1945 wurde bei einem Großangriff auf Rees auch der gesamte Besitz der Familie Rosen zerstört.
In Friedenszeiten begann Maria Driftmeier mit dem Wiederaufbau des Gasthofes. Dem neuen Stadtleitplan folgend, wurde die Front des Hauses um einige Meter zurückversetzt. Ersatzweise wurde an der Südseite eine große Terrasse angelegt, die 1952 eröffnet werden konnte. Dies war die Geburtsstunde der „Rheinterrassen“.
Mit Tatkraft und rastlosem Eifer sorgte Maria Driftmeier dafür, dass die neue Gaststätte schon bald an den guten Ruf des früheren Gasthofes anknüpfen konnte.
Nach Heinrich Driftmeiers Tod übertrug Maria Driftmeier zum 1. April 1970 die „Rheinterrassen“ an ihre Tochter Rita und deren Ehemann Robert Tillmann. Beide ließen die Gaststätte im Jahr 1980 umfassend renovieren und festigten den Ruf des Hauses als Zentrum der Gastlichkeit und des Vereinslebens.
Robert und Rita Tillmanns Tochter Andrea pachtete die „Rheinterrassen“ zum 1. April 2003 und betrieb sie mit ihrem Mann John Collins, den sie während ihrer Berufstätigkeit in Irland kennengelernt hatte. Fortan fanden in den „Rheinterrassen“ auch regelmäßig Konzerte mit irischer Musik statt.
Im März 2023 starb Andrea Collins im Alter von nur 49 Jahren. „Ohne Andrea können wir die Rheinterrassen nicht weiterführen“, teilten Rita Tillmann und Schwiegersohn John Collins auf der Internetseite der Gaststätte mit und stellten nach Pfingsten 2023 den Betrieb des Traditionshauses ein.
Am 22. März 2024 verkaufte Rita Tillmann die Gaststätte und die vier darüber liegenden Wohnungen an Michael Arts-Meulenkamp und Joop Arts. Die neuen Eigentümer stellten sicher, dass Rita Tillmann und ihre Enkelin Lizzy im Haus wohnen bleiben können, und erklärten die Suche nach einem neuen Pächter zur obersten Priorität.
Bereits im April 2024 unterschrieb Sokol Osmani den Pachtvertrag.
Am 25. Juni 2024 wurden die „Rheinterrassen“ unter starker Anteilnahme der Reeser Bürgerinnen und Bürger wiedereröffnet.
Wir danken Michael Scholten für den Text zur Geschichte der Rheinterrassen in Rees.